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THE ROCK (Germany) 2001 TOMMY DENANDER (Radioactive) RADIOACTIVE Lebe deine Träume Wißt Ihr, was so richtig schon für einen Schreiberling ist?
Wenn man merkt, daß auch die eigene Arbeit von den Künstler
gewürdigt wird. So beginnt Tommy Denander, mit dem wir bereits
ein Interview zu Prisoner gemacht hatten, das Gespräch mit einem
dicken Danke für genau jenes Interview. Viele Journis versuchen
einfach, ihr Fragenprogramm durchzubringen. Das ist vollkommen in Ordnung. Wenn es bei Interviews allerdings auch
mal in eine andere Richtung oder tiefer geht, macht das natürlich
verdammt viel Spaß. Nach soviel Lob, sollte man das auch
maal zurückgeben, denn mit seiner All Star-Platte mit Radioactive
hat sich Tommy nicht nur einen großen Traum erfüllt, sondern
auch eine der besten AOR-Platten der letzten Jahre abgeliefert. Mit
Fergie Fredricksson, Bobby Kimball (beide Toto), Jeff Porcaro und anderen
großen Namen en masse hat Tommy auch eine Menge an Legenden mobil
machen können. Es hat so laange gedauert bis diese Plate endlich zustande gekommen
ist. Ich schleppe die Idee und viele Songs schonseit zehn Jahren mit
mir herum. Ebenso stand es auch schon so lange fest, daß gewisse
Musiker mit dabei sein würden. Doch es kam immer wieder was dazwischen
- bis zuletzt war es nie sicher, bo diese Scheibe jemals das Licht der
Welt erblicken würde. Ich habe vorher nie darüber nachgedacht,
wie die Scheibe ankommen würde. Und im Moment hauen mich die Reakktionen
nur noch vom Hocker. Ich war direkt vor dem Release dann auf einmal
sehr nervös. Weil einfach so viel Arbeit, Zeit und Liebe an den
Sachen hängt. Wenn man zehn Jahre an einer Scheibe schraubt, hat man selbst nicht
merh so den Blick für die Arbeit. Als ich die CD dann am Ende in
Händen hielt, grinste mich einer meiner Kumpels nur an und meinte
Du kannst gar nicht glauben, daß sie wirklich fertig ist,
oder?. Während einige Songs im Laife der Jahre immer
wieder überarbeitet wurden und mitsamt der Persönlichkeit
Denanders wuchsen, waren auch einige dabei, die keinen Deut verändert
wurden. Doch wenn einen Stücke eine derart lange Zeit begleiten
und beschäftigen, kann man eigentlich schon fast von einem Soundtrack
fürs Leben sprechen. Ich weiß noch genau, wie ich *On
My Own* geschrieben habe. Ich war mitten in der Nacht ganz alleim Studio
und es war ein Moment voller Magie in der Luft. Und genau jenes Gefühl kommt bei diesem Song immer wieder zurück.
Dieser Song hat sich von der ersten Minute an nie geändert.
Aber du hast recht, die Platte ist so etwas wie mein Soundtrack.
Es scheint auch fast so, als habe jene, pber die Jahre entwickelte Gefühlstiefe
auch jenen nötigen Facettenreichtum, daß sich jeder der anderen
Mitwirkenden mit den Stücken identifizieren konnte. Denn die Performances
sind teilweise um einen ganzen Zacken besser als auf so manchen bandeigenen
Scheiben oder Solo-Platten. Um ehrlich zu sein: Ich möchte
Fergie Fredriksson´s Solo-Scheibe nicht besonders. Das schien nicht wirklich er zu sein. Als er bei mir antanzte, dachte
ich mir nur Wow, er hat die Stimme noch. Es scheint fast
so, als hätten die Stücke aus allen das Beste herausgeholt.
Ich habe auch niemanden vorgeschrieben, wie er seinen Part zu machen
hätte. Wenn einer der Sänger zum Beispiel nur drei Worte auf
den ganzen Track verteilt gesungen hätte, wäre das auch okay
gewesen. Aber meine Erwartungen wurden jedesmal von den Interpretationen
und Ideen der anderen bei Weitem übertroffen. Wenn ich die Platte anhöre, sehe ich keine 12 Songs, sondern zehn
Jahre meines Lebens mitsamt seiner verschiedenen Stationen. Ich kann
dadurch auch im Nachhienein sehr viel über mich selbst erfahren.
Und ich denke, daß man mit Radioactive durch all die verschiedenen
Gefühle und Erfahrungen, die in den Stimmungen der Songs stecken,
auch viele verschiedenen Leute erreichen und berühren kann. Die
Entwicklung einer Persönlichkeit läuft parallel zu der eigenen
künstlerischen Entwicklung. Sicher klingen die Songs auf den ersten Blick relativ eingängig
gestrickt, doch es stecken eine Menge Schichten drin, die man mit der
Zeit entdecken wird. Technisch ist es nicht kompliziert, aber emotional
tief, holt der Gitarrist bkaum Luft. Ich habe keinen Bock,
ständig mein Können auf der Klampfe mit Frickeleien zu beweisen,
was zählt ist der Song. Nach einer so langen Zeit braucht man schon
eine Menge Selbstvertrauen, denn es kamen immer wieder viele Leute,
die meine Idee total bescheuert fanden. Na, richtige Freunde mögen
zwar nicht jede Idee gut finden, unterstützen einen Menschen, der
ihnen wichtig ist, aber trotzdem, soweit sie können. So sehe ich das eigentlich auch und es ist verdammt hart, wenn
man einen Traum hat, den man verwirklichen will, und niemand, der eigentlich
für dich wichtig ist, ihn verstehen will, sondern das Ganze nur
als Spinnerei abtut. Einen Traum in die Realität umzusetzen ist
einfacher, als seinen Freunden zu erklären, warum man diesen Traum
hat. Ich habe dieses Album nur für mich gemacht, mehr als alles
andere zuvor in meinem Leben. Ich wüßte auch nicht, was ich
ohne Musik tun würde - ich glaube, daß ist meine Lebensaufgabe,
der Grund, weshlab ich lebe. Es wäre klasse, wenn Musik, die von Herzen kommt, die generelle
Musikszene auch wieder ein Stückchen ändern könnte und
ich möchte Radioactive auch in diese Richtung pushen - und nicht
nur auf Rockebene promoten. Ich arbeite auch an einem Video und einer
Dokumentation. Ich hatte wirklich Angst, die Leute würden sich
die Platte ncht richtig anhören, auch weil eben viele andere große
Namen jeden Tag auf dem Tisch liegen. Doch die bisherigen Interviews
haben wir gezeigt, daß diese Angst unbegründet war. Es ist
enorm wichtig, an seinen Träumen festzuhalten, sie sind es wert.
Verliert man seine Träume oder verdrängt man sie, hat man
irgendwann ein großes Loch im Leben. Diese Scheibe ist sicher
auch irgendwo ein Statement gegen die Gesellschaft: Träume sind
da, um wahr zu werden! Und wenn´s mal wieder länger
dauert, gibt´s immer noch Snickers. Ich war immer ein Tagträumer und keiner meiner Kindheitsträume
schien irgendwie machbar zu sein. Es ist das tollste Gefühl überhaupt,
wenn es dann doch klappt. Es ist nichts Geheimnisvolles, Mysteriöses,
wie ich an der Scheibe gearbeitet habe. Ich habe nur nie aufgegeben.
Und mit Magnus von MTM hatte ich eine große Stütze dabei.
Ich war oft alleine, denn es hat mich nur runtergezogen, wenn mir andere
meine Träume ausreden wollten und ich mir vorkam wie der größte
Depp. Viele Bekanntschaften haben mich in meiner Entwicklung gestoppt.
Was dem einen oder anderen oberflächlich erscheinen mag, ist es
beileibe nicht. Denn wer hat das Recht, einen sogenannten Freund für seine tiefsten
Wünsche zu verurteilen und sie ihm vermiesen zu wollen. Solche
Freundschaften braucht dann auch wirklich niemand. Eine andere
Sache ist auch die Aussage von wegen Man liebt dich erst, wenn
du dich selbst liebt. Doch wie soll man sich selbst lieben und
Selbstvertrauen entwickeln, wenn man nicht m,an selbst sein darf und
sich weiterentwickelt. Selbstliebe hängt zu einem großen
Teil davon ab, wie zufrieden man mit sich selbst ist. Und kann man keinen seiner Träume und Wünsche im Auge behalten,
wird man unzufrieden und verliert an Selbstachtung. Und das ist für
zwischenmenschliche Beziehungen auch wieder nicht förderlich. Liebe
und Hilfe - das sind die beiden Dinge im Leben, die umsonst sind, die
wir schenken können,. Und dazu gehört auch Verständnis.
Doch manchmal scheint es so, als sei die einzige Macht der Menschen,
Liebe zu zerstören. Die Welt könnte so schön sein. Man
bekommt, was man gibt. Das ist mein Motto, nachdem ich lebe, und das
sich auchb bewahrheitet. Wenn man Hilfe von Herzen gibt, ist das ein
tolles Gefühl. Es ist schön zu sehen, wenn von einem anderen der ganze Ärger, Streß und der Kummer abfällt. Doch dazu gehört auch eine gewisse Selbstlosigkeit. Denn wer weiß schon , was dem anderen wirkluch hilft, wenn man nur sich selbst im Kopf hat? Tommy wird ab der nächsten Ausgabe als Gastschreiber bei uns dabei sein. In diesem Sinne: Ein tolles Interview mit einem Künstler mit Tiefgang, der Euch sicher auch mit seinen Artikeln noch viel Freude machen wird. www.tommydenander.com Eva © The Rock |
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